Page 8 - Saarländisches Ärzteblatt, Juni-Ausgabe 2021
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     TE K  124. Deutscher Ärztetag (Online)

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           Statt	Ostsee:	Die	Übertragung	der	BÄK	fand	im	Berliner	Estrel-Hotel	statt.


           Interaktives Fernsehen anstatt unmittelbarem interkollegialem  Debatte  über  die  Auswirkungen  der  Corona-Pandemie  in
          Austausch: Bei dem nur zweitägigen digitalen Ärztetag – dem  Deutschland.
           ersten  großen  Zusammentreffen  der  verfassten  Ärzteschaft  Neben  dem  konkreten  Pandemiemanagement  hat  sich  der
           nach der Ausrufung des Pandemiefalls im März letztes Jahres –  Ärztetag in seinem Grundsatzbeschluss mit dem strukturellen
           war alles anders als sonst. Für die Teilnehmer, obwohl meist  Reformbedarf im Gesundheitswesen befasst. Dazu zählen die
           bereits schon „webex-, zoom-, oder teams“-erprobt, waren es  Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, die Neu rege-
           neue interessante Erfahrungen, die man aber nicht unbedingt  lung der Krankenhausplanung und -finanzierung, die Sicherung
           bald wiederholen müsste. Trotz der ungewöhnlichen Umstände  ambulanter Versorgungsstrukturen, der Ausbau der Digitalisie-
           wurde wiederum offen, leidenschaftlich und anspruchsvoll dis- rung sowie weitere Anstrengungen zur Fachkräftegewinnung
           kutiert, wie die folgenden Beschlussfassungen zeigen.   im Gesundheitswesen.

           Nachbesserung.beim.Pandemiemanagement.gefordert      Hilfe.zur.Selbsttötung.wird.weiterhin.nicht.als.
                                                                ärztliche.Aufgabe.gesehen
           Der 124. Deutsche Ärztetag hat konkrete Konsequenzen aus
           dem Umgang mit der Corona-Pandemie in den letzten 15 Mona- Die  Delegierten  haben  in  Konsequenz  aus  dem  Urteil  des
           ten gefordert. Das Pandemiemanagement und die Krisenreak- Bundesverfassungsgerichts von Februar 2020 zum assistierten
           tions fähigkeit in Deutschland müssten dringend optimiert wer- Suizid  die  berufsrechtlichen  Regelungen  für  Ärztinnen  und
           den, konstatierten die Abgeordneten des Ärztetages in einem  Ärzte zur Suizidhilfe geändert. Paragraf 16 Satz 3 der (Muster-)
           mit großer Mehrheit gefassten Beschluss zur gesundheits- und  Berufsordnung wird aufgehoben. Darin hieß es bislang: „Sie
           sozialpolitischen Generalaussprache.                 [Ärztinnen und Ärzte] dürfen keine Hilfe zur Selbsttötung leis-
           Unter anderem sollten im Infektionsschutzgesetz feste Krisen- ten.“ Es entspreche ganz überwiegender Auffassung, dass § 16
           stäbe der Bundesländer unter Einbezug der Landesärzte kam- Satz 3 der (Muster-)Berufsordnung in seiner bisherigen Fassung
           mern  angelegt  und  die  Pandemiepläne  von  Bund,  Ländern,  aus  verfassungsrechtlichen  Gründen  nicht  aufrechterhalten
           Kommunen  und  Gesundheitseinrichtungen  ständig  auf  dem  werden könne“, begründete das Ärzteparlament seine Ent schei-
           aktuellen Stand gehalten werden. Außerdem sollten Reserven  dung. Die Streichung ändert nach Überzeugung des Ärztetages
           für  wichtige  Medizinprodukte,  Arzneimittel  und  Impfstoffe  aber nichts daran, dass „ärztliches Handeln von einer lebens-
           angelegt sowie die innereuropäischen Produktionsstandorte für  und  gesundheitsorientierten  Zielrichtung  geprägt  ist“.   Nach
    8      Medizinprodukte und wichtige Arzneimittel ausgebaut werden,  §  1  Abs.  2  der  (Muster-)Berufsordnung  ist  es  Aufgabe  der
           forderten  die  Abgeordneten  nach  einer  gut  dreistündigen  Ärztinnen und Ärzte, das Leben zu erhalten, die Gesundheit zu


           Saarländisches Ärzteblatt   n  Ausgabe 6/2021
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