Page 13 - Saarländisches Ärzteblatt, Mai 2026
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NACHRICHTEN




                                                           Neue  Rehabilitationskompetenzen  wurden  an  den  Kranken­  N ACHR ICHTEN
                                                           häusern etabliert  und  ermöglichen  einen leichteren  Über­
                                                           gang  von  akutstationärer  Behandlung  in  die  Anschluss ver­
                                                           sorgung. Auch die Prothetik hat sich entsprechend des hohen
                                                           Bedarfs weitergebildet. Krankenhäuser haben teilweise eige­
                                                             ne Prothetikzentren und Werkstätten eingerichtet. Der reha­
                                                           bilitative und prothetische Versorgungsbedarf wird mittel­
                                                           bis langfristig bleiben und die Generation der aktuell Kriegs­
                                                           betroffenen dauerhaft begleiten.

                                                           In weiten Teilen ungedeckt bleibt bisher der stark steigende
                                                           Bedarf an psychiatrischer oder psychotherapeutischer Reha­
                                                           bilitation für Soldaten, die in Folge von Kriegsgefangenschaft,
                                                           Folter, dem Verlust von Körperteilen, der starken Beein träch­
                                                           tigung  ihrer  physischen  Gesundheit  oder  schlichtweg  nach
      Im Volyn Regional Hospital in Lutsk wurde die Sonderfunktion eines
      „Militär-Traumatologen“ eingesetzt.                  den an der Kontaktlinie erfahrenen Ausnahmesituationen
                                                           unter schweren mentalen Störungen und Traumata leiden.

      einrichtungen  am  „Ende  der  Versorgungkette“.  Sie  müssen   Ein  starker  und  schneller  Ausbau  der  psychiatrischen  und
      freie Aufnahmekapazitäten melden und dabei für zivile Not­  psychotherapeutischen Rehabilitation wurde bislang nicht
      fälle  zusätzliche  Kapazität  einplanen.  Die  dortigen  Verant­  ernst genommen, wenngleich mit der wachsenden Nachfrage
      wort ichen  wünschen  sich  für  eine  bessere  Vorbereitung   durch  die  vielen  Betroffenen  und  deren  Angehörigen  ein
          l
      umfangreiche  und  frühere  Information,  auch  um  die  Per so­  Wandel  einsetzt.  Selbst  bei  den  Soldaten  ist  psychische
      naleinsatzplanung  verbessern  zu  können.  Schließlich  erfor­  Belastung und deren Behandlung noch immer stigmatisiert.
      dert  die  kurze  Vorlauffrist  auch  ein  straffes  Entlassmana ge­  Wohl  nur  jeder  zehnte  Soldat  nutzt  Angebote,  andere  über­
      ment,  um  schnell  die  benötigte  Kapazität  für  die  neuen   gehen die Phase und könnten später nach Einschätzung der
      Patienten schaffen zu können.                        Veteranenverbände zum Behandlungsfall werden.

      In einem Krankenhaus im Westen der Ukraine konnte die
      Funktion  eines  „Militär­Traumatologen“  eingerichtet  werden.
      Diese Stelle mit medizinischer Kompetenz ist wohl eher für
      Koordination und Logistik der Patienten zuständig und wäre
      in deutschen Krankenhäusern wahrscheinlich Teil der Kran­
      kenh auseinsatzleitung. Immerhin ermöglicht sie, in dem be ­
      suchten Krankenhaus mit straffer Koordination die Durchfüh­
      rung  von  zahlreichen  elektiven  Fällen.  In  diesen  Kranken­
      häusern beträgt die durchschnittliche Verweildauer 21 Tage.

      Sie  bilden  den  Übergang  zur  Rehabilitation.  Diese  Versor­
      gungsstufe  war  in  der  Ukraine  auch  vor  dem  Krieg  unterdi­
      mensioniert. Unter dem Eindruck Kriegs und der sehr großen
      Verletztenzahlen konnten in der kriegsbedingten Mangellage
      nicht genügend Behandlungskapazitäten aufgebaut werden.
     Auch die medizinische Rehabilitationskompetenz musste an
      die  sich  mit  dem  Krieg  ergebenden,  neuen  Bedarfe  ange­  Das städtische Krankenhaus Nr. 12 in Kiew verfügt über eine gut
                                                           ausgestattete Bunkeranlage
      passt  werden.  So  bleibt  Rehabilitation  auch  heute  in  der
      Ukraine quantitativ hinter den Bedarfen zurück.
                                                           Nicht  zu  unterschätzen  ist  auch  der  zusätzliche  Dokumen­
      Immerhin hat eine teils hochprofessionelle Kompetenz und   tationsaufwand für Krankenhäuser zur Vorbereitung der
      im Westen des Landes auch umfangreiche apparative Aus­  sozialen  Versorgung  der  Soldaten,  etwa  bei  der  Festlegung
      stattung  der  traumatologischen  Rehabilitation  gebildet  –  von  Pflegegraden,  zum  Schwerbehindertenstatus  oder  der
      auch  durch  zahlreiche  internationale  Zustiftungen.  Neben   Einstufung  als  Invalide.  Schließlich  sind  Verletzungen  und
      modernen  Therapiegeräten  und  in  einigen  Kliniken  zahlrei­ Todesfälle auch für Strafverfolgungsbehörden bis hin zum
      cher  Hilfsmittelausstattung  bis  hin  zu  Übungsküchen,  wur­  Internationalen Strafgerichtshof zu dokumentieren, etwa um
      den  auch  die  Therapieprozesse  entwickelt.  Zudem  gibt  es   spätere Anklagen wegen Kriegsverbrechen gerichtsfest vor­  13
     Angebote der Sporttherapie und sogar Kunsttherapie.   zubereiten.

                                                                                Saarländisches Ärzteblatt     Ausgabe 5/2026
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