Page 18 - Saarländisches Ärzteblatt, Mai 2026
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FOR TBILDUNG scheidend. Die zugrunde liegende Alltagsregel ist bewusst
ÄR Z TLICHE FORTBILDUNG
einfach formuliert:
Essen und süßes Trinken gehören zu festen Mahlzeiten –
Dazwischen liegen Pausen von mindestens zwei Stunden.
Zwischendurch sind Wasser, ungesüßter Tee oder Kaffee
möglich, zweimal tägliches Zähneputzen mit fluoridhaltiger
Zahnpasta gehört dazu
Häufigkeit beeinflusst auch die Gesamtmenge
Internationale Ernährungsempfehlungen beziehen sich pri
mär auf die Gesamtmenge freier Zucker im Verhältnis zur
Energieaufnahme. Epidemiologische Untersuchungen zeigen
jedoch, dass Menge und Häufigkeit des Zuckerkonsums eng
miteinander verbunden sind. Eine steigende Zahl von Ess Jahresgesundheitsbericht 2024 (Regionalverband Saarbrücken):
und süßen Trinkmomenten führt häufig auch zu einer höhe Sanierungsgrad Zähne untersuchter Kinder in Schulen gesamt
Jugendzahnärztlicher Dienst
ren Gesamtaufnahme von Zucker und Energie. Aus Sicht der
Gesundheitsaufklärung kann daher der Hinweis, die Häufig
keit von Zuckeraufnahmen zu reduzieren, ein besonders de von der Deutschen Gesellschaft für Präventive Zahn
anschaulicher Ansatz sein. medizin (DGPZM) mit dem 1. Praktikerpreis ausgezeichnet
und wird im Saarland als Pilotprojekt gestartet.
Prävention beginnt früh
Gemeinsame Chance im Saarland
Die ersten Gesundheitskontakte finden bereits während der
Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren statt – Als einziges Bundesland verfügt das Saarland über eine
durch Gynäkologinnen und Gynäkologen, Hebammen, Kin gemeinsame Kammer für Ärztinnen, Ärzte und Zahnärzte.
der ärztinnen und Kinderärzte sowie Vorsorgeuntersuchungen. Diese strukturelle Nähe bietet eine besondere Möglichkeit,
In diesen frühen Phasen werden Alltagsstrukturen geprägt. Prävention interdisziplinär abzustimmen. Nicht nur was
Kurze, wiederholbare Hinweise zur Häufigkeit von Mahlzeiten gegessen wird, sondern wie oft – der Ess und Trinkrhythmus
können hier Orientierung geben, lange bevor pathologische ist ein gemeinsamer Risikofaktor für Karies, Übergewicht und
Befunde sichtbar werden. Die Zahnmedizin ist zwar nicht der andere ernährungsbedingte Erkrankungen.
früheste, aber einer der regelmäßigsten Kontakte im Gesund
heitswesen über viele Lebensjahre hinweg. Dadurch können Weitere Informationen sowie Materialien für frühe Gesund
Veränderungen im Ernährungs und Gesundheitsverhalten heitskontakte, Zahnärztinnen und Zahnärzte, pädagogische
früh erkannt und eingeordnet werden. Einrichtungen und Eltern werden in der Bildungsinitiative
OHNE LOCH bereitgestellt. Die Website www.ohneloch.de
Der Karies-Risiko-Index (KRI) befindet sich derzeit im Aufbau und wird schrittweise erwei
tert.
Vor diesem Hintergrund wurde ein praxisnaher Präventions
baustein entwickelt: der KariesRisikoIndex (KRI). Er fokus
siert zwei modifizierbare Hauptfaktoren: Die Fachtagung „Sinnvolle Ernährung im Kleinkind
• die Häufigkeit der Fluoridanwendung und Grundschulalter als aktiver Kinderschutz“ mit
• die Häufigkeit von Ess und süßen Trinkmomenten Vorträgen und Workshops des Kinderschutzbundes
findet am 26. Mai 2026 im Bildungszentrum der
Patientinnen und Patienten werden zunächst mit einer Arbeitskammer Kirkel von 9:00 bis 16:00 Uhr statt.
Recall karte eingeladen, ihre Ess und Trinkgewohnheiten
sowie die Zahnpflege an ausgewählten Tagen zu beobachten.
Beim Praxisbesuch wird diese Selbstbeobachtung durch
einen kurzen Anamnesebogen ergänzt, der weitere Risiko
faktoren erfasst. Die so gewonnenen Informationen ermögli
chen eine strukturierte Einordnung des individuellen Risikos Korrespondenzadresse:
und eine gezielte präventive Beratung. Sophia Dollmann, Gesundheitswissenschaftlerin
Drs. (ACTA-NL) Bernhard Dollmann
Der KariesRisikoIndex kommt ohne Labordiagnostik aus Bahnhofstraße 59, 54314 Zerf
18 und lässt sich ohne zusätzlichen Zeitaufwand in bestehende E-Mail: dollmannbernhard @gmail.com
Vorsorgegespräche integrieren. Der KariesRisikoIndex wur Tel.: (0151) 53240311
Saarländisches Ärzteblatt Ausgabe 5/2026

