Page 14 - Saarländisches Ärzteblatt, Mai 2026
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N ACHR ICHTEN  Zuletzt begegnen durch den Krieg geschädigte Soldaten wei­  Die Beschäftigten müssen umgehend für neue, kriegsassozi­
                             NACHRICHTEN






           teren Hürden bei der anschließenden sozialen Wiederein glie­
                                                                In  den  Fächern  Traumatologie,  Unfallchirurgie,  orthoplasti­
           derung.  Ohne  umfassende  Programme  für  den  Wiederein­
                                                                sche  Chirurgie,  Mikrochirurgie,  Verbrennungsmedizin,  HNO/
           stieg in den für den Kriegsdienst unterbrochenen Beruf kön­  ierte  Behandlungsbedarfe  aus­  oder  weitergebildet  werden.
           nen sie oft nicht mehr am Arbeitsleben teilnehmen und   MKG­Chirurgie,  Infektiologie  zur  Bekämpfung  vom  Keimen
           erfahren  Ausgrenzung.  Hinzu  kommt  die  mangelnde  Barrie­  und  Bakterien/Resistenzen  sollten  Ärztekammern,  Fach ge­
           re freiheit  in  öffentlichen  Gebäuden  und  älteren  Wohnge­  sell schaften aber auch für Pflegeausbildung Verantwortliche
           bäuden,  die  die  Mobilität  einschränkt  und  soziale  Teilhabe   schnell die Curricula anpassen. Aus­ und Weiterbildungskurse
           erschwert.  Blieben  diese  zusätzlichen  mentalen  Heraus for­  existieren  bereits  teilweise.  Sie  müssen  ergänzt  und  in  die
           derungen  unversorgt,  entstünde  eine  ganze  „verlorene   Breite  gebracht  werden.  Explizit  sollten  auch  die  Kompe­
           Gene ration“, befürchten Veteranenverbände.          tenzen der Bereiche somatische traumatologische sowie psy­
                                                                chiatrische  und  psychotherapeutische  Rehabilitation  und
           Bemerkbar  macht  sich  diese  Entwicklung  bereits  in  einem   Prothetik  erweitert  werden,  um  poststationäre  Versorgung
           krassen  Rückgang  der  Geburtenrate  in  der  Ukraine.  Viele   in ausreichendem Maße und in hoher Qualität bereitstellen
           Familien sehen bei beruflicher und sozialer Perspektivlosigkeit,  zu können.
           bei  den  physischen  und  psychischen  Beeinträchtigung  der  Um  eine  Reaktionsfähigkeit  des  Krankenhaussystems  und
           Soldaten sowie bei fehlender staatlicher Unterstützung   der  nachgelagerten  Bereiche  durch  adäquate,  kriegsmedizi­
           momentan keine Zukunft für Kinder. Die ukrainische Gesell­  nische Kompetenz der Beschäftigten bis 2028/2029 zu errei­
           schaft hat diese Entwicklung erkannt und überlegt erste   chen,  muss  möglichst  schnell  mit  den  Ausbildungs maß­
           Maßnahmen, diesem Trend entgegenzuwirken.            nahmen begonnen werden. Bund und Länder müssen diese
                                                                zusätzlichen Maßnahmen zur Herstellung der Verteidigungs­
           Implikationen für die Krankenhausversorgung in Deutschland  fähigkeit umgehend und ausreichend finanzieren.
           Was kann dieser Befund für die Ausbildung, Vorfinanzierung
           und allgemeine Vorbereitung der Krankenhausversorgung in   In  der  Ukraine  war  in  den  ersten  Wochen  die  Versorgung
           Deutschland bedeuten?                                überlastet. In teils chaotischen Zuständen mussten die Struk­
                                                                turen quantitativ auf die unerwartet hohen Patientenzahlen
           Die Beschäftigten in den deutschen Krankenhäusern können   und qualitativ auf die neuen Verletzungsbilder ausgerichtet
           viel leisten: Sie sind hervorragend qualifiziert und haben in   werden. Das war nicht nur für die Versorgung der Soldaten
           nationalen und regionalen Krisen wie Pandemien oder  belastend, sondern hat auch die gesundheitliche Versorgung
           Katastrophen ihre enorme Leistungsfähigkeit immer wieder  der Bevölkerung gefährdet. Auswirkungen, die bei Vorberei­
           gezeigt.  Dennoch  müssen  die  Systemverantwortlichen  nun   tung des Systems auf den Kriegsfall hätte vermieden werden
           handeln, um nach den Erfahrungen aus der Ukraine erwart­  können. Deutschland kann hier noch reagieren.
           bare  Schwachstellen  der  Versorgungsorganisation  oder  un ­
           zureichende  Kapazitäten  von  Vorneherein  auszugleichen.  Bei  dem  heute  schon  gegenwärtigen  Versorgungsmangel,
           Leid oder kritische Situationen in erwartbaren Krisenzeiten   beispielsweise in der Psychiatrie und Psychotherapie, ist der
           lassen sich so wirksam reduzieren oder gar ganz vermeiden.  Ausbau von Kapazitäten auf das Notwendige zu beschränken.



















                                                             Fotos: Marc Schreiner




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           Im Unbroken Center in Lviv (Lemberg) wurden hochwertige Rehabilitations apparate auch mit Hilfe internationaler Stiftungen in Betrieb genommen.

           Saarländisches Ärzteblatt     Ausgabe 5/2026
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