Page 28 - Saarländisches Ärzteblatt, April 2026
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SCHIEDENES  Konferenzbericht:
                             VER SCHIEDENES







     V ER  10. Gefängnismedizintage in Darmstadt



           Ein kleines Jubiläum: Zum 10. Mal 2025 trafen sich im Dezem­  Die Veranstalter führten frühere Themenstränge weiter und
           ber  letzten  Jahres  Ärztinnen  und  Ärzte  sowie  Pflegekräfte   boten  neben  Übersichtsreferaten  viele  interaktive  Formate:
           aus  dem  Justiz­  und  Maßregelvollzug  zu  den  Gefängnis me­  Diskussionen im Plenum, World Café, Symposien und Arbeits­
           dizintagen  (GMT),  um  zentrale  Themen  und  Strategien  der  gruppen.  Ein  Schwerpunkt  blieb  das  „Forum  Psychiatrie“
           gesundheitlichen  Versorgung  von  Menschen  in  Justiz  und   mit  praxisnahen  Informationen  erfahrener  Vollzugspsychia­

           Maßregelvollzug zu diskutieren. 285 Expert*innen und 39 Re ­  ter*in nen.  Als  „Roter  Faden“  wurden  Themen  und  Ansätze
           ferierende  aus  Deutschland,  Österreich,  der  Schweiz  und   von  früheren  Gefängnismedizintagen  wieder  aufgegriffen
           Luxemburg tauschten sich in verschiedenen Veranstaltungs­  und  weiterverfolgt:  z.B.  Wie  sind  HCV­freie  Gefängnisse  zu
           formaten intensiv darüber aus, wie medizinische und pflege­  erreichen sowie die Krankenpflege im Vollzug.
           rische Angebote verbessert werden können.            Durch viele Möglichkeiten zum Networking und die gemein­
                                                                same  Abendveranstaltung  bot  sich  viel  Platz  für  das  gegen­
           Am  Vortag  der  Konferenz  wurden  Führungen  durch  die  JVA   seitige Kennenlernen oder auch Wiedersehen mit Kolleginnen
           Frankfurt und die JVA Weiterstadt angeboten, und damit die   und  Kollegen  aus  den  anderen  Bundesländern,  aber  auch
           Möglichkeit für Interessierte, sich ausführlich über die medi­  aus der Schweiz, Österreich und Luxemburg.
           zinische und pflegerische Behandlungspraxis zu informieren.   Im  Rahmen  der  Abendveranstaltung  wurde  erneut  der  Dr.­
                                                                Friedrich­Leppmann­Preis  für  besondere  Verdienste  in  der
           Der  Schirmherr  der  Konferenz,  der  Hessische  Minister  der  medizinischen Versorgung Gefangener verliehen. Dieser ging
           Justiz und für den Rechtsstaat Christian Heinz wies in seinem  2025 an Prof. Dr. Jörg Pont aus Wien für seine herausragende
           Grußwort einerseits auf die Wichtigkeit der gesundheitlichen   Arbeit in der Gefängnismedizin und ganz besonders für sein
           Versorgung Gefangener für eine gelingende Resozialisierung   unermüdliches Bemühen um die Ethik in der gefängnismedi­
           hin, andererseits auf die Bedeutung der gesundheitsfördern­  zinischen Arbeit.
           den  Gestaltung  der  Arbeitsplätze  der  Bediensteten.  Die
           Schwerpunktthemen  reichten  von  Rechtsfragen  im  Vollzug   Die 11. Gefängnismedizin­Tage finden vom 3. bis 4. Dezember
           und KI­gestützten Anwendungen bis hin zu Tod und Sterben  2026 in Darmstadt statt.
           im  Justizvollzug,  Hygiene  und  Sexualität  in  Haft.  Im  Vor­
           dergrund  stand  ein  intensiver  Dialog  über  Beispiele  Guter  Korrespondenzadresse:
           Praxis,  Verbesserungsmöglichkeiten  der  Gesundheitsver sor­  Dr. Karlheinz Keppler M.A.
           gung sowie ein Austausch über praktische Erfahrungen und   Medizinaldirektor i. R., 49439 Steinfeld
           wissenschaftliche  Erkenntnisse  und  deren  Relevanz  für  die   karlheinz.keppler@web.de
           Praxis.                                              Prof. Dr. H. Stöver hstoever@fb4.fh-frankfurt.de




           SAAREX 26 –

           medizinische Folgeversorgung im Fokus




           Die Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine bleiben nicht   sowie die Abläufe bei Versorgung,
           ohne  Folgen  für  unser  Gesundheitssystem  hinsichtlich  der  Patientenübergabe  und  Weiter lei­
           Verletzungsmuster, Patientenanzahl und Formen des Patien­  tung zu beherrschen. Mitte Mai wer­
           tentransports  mit  Blick  auf  die  Landes­  und  Bündnisver­  den diese Ver fahren bei der Groß übung
           teidigung.  Die  vorherrschenden  Verletzungsmuster  durch   DEFENDER26 geübt, bei der die amerikanischen Streitkräfte
           Schuss wunden,  Granatsplitter  oder  Brandverletzungen  ge ­  dieses  Verfahren  an  mehreren  Stationen  in  Deutschland

           hö ren  in  der  Regel  in  Art  und  Anzahl  nicht  zum  Standard­  sowie  Europa  praktisch  simulieren.  Das  Landeskommando
           repertoire in der zivilen Gesundheitsversorgung. Daher müs­  Saarland hat sich in die Übungs vor bereitungen eingebracht
           sen  rechtzeitig  die  Voraussetzungen  geschaffen  werden,  und  nach  Rücksprache  mit  der  saarländischen  Landes ­
           diese Herausforderungen bewältigen zu können. Hierzulande     re gierung  angeregt,  dass  auch  im  Saarland  eine  Teilübung
   28      gilt  es  deswegen,  die  unterschiedlichen  Formen  des  Patien­  im  Rahmen  der  zivil­militärischen  Übungsreihe  SAAREX  am
           tentransportes,  der  Zuordnung  von  Verletzungsmustern  16. Mai stattfindet. Im Schwerpunkt dieser ZMZ­Übung steht

           Saarländisches Ärzteblatt     Ausgabe 4/2026
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