Page 24 - Saarländisches Ärzteblatt, Mai 2026
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AND                     AUS DER K A SSENÄR Z TLICHEN VEREINIGUNG


     AR L


     V SA  Auswirkung der saarländischen BDP-Reform von


     K     2025 auf die Fallzahlen akuter ambulanter Notfälle-
           eine Analyse von Abrechnungszahlen der Kassen-

           ärztlichen Vereinigung Saarland (KVS)




           Harry Derouet, Thomas Rehlinger, Rainer Warken, Jasmin Ney,   Klinikum  in  Saarbrücken  sowie  einen  augenärztlichen  und
           Holger Grothe, Manuel Zimmermann, Carolin Fischer, Katja   HNO­Fachdienst.
           Grzegorczyk, Christian Michelbach
                                                                Die  Öffnungstagezeiten  der  Bereitschaftsdienstpraxen  an
                                                                den  BDP­Standorten  Saarbrücken­Winterberg,  Homburg,  St.
           Demographische Entwicklungen  in der niedergelassenen   Wendel,  Lebach,  Saarlouis  und  Merzig  (Ausnahme  Neben­
           Ärzte schaft bei einem gleichzeitig zunehmenden Mangel an   stelle Neunkirchen) sind:
           medizinischem Fachpersonal führen dazu, dass die Regel ver­ • an Wochenenden von samstags 8.00 Uhr bis
           sorgung  im  hausärztlichen  Bereich  bereits  heute  Versor­    montags 8.00 Uhr,
                l
           gungs ücken  aufweist.  Gleiches  zeichnet  sich  auch  bei  eini­ • an Feiertagen inkl. Heiligabend und Silvester
           gen  weiteren  Facharztgruppen  ab.  Diese  Entwicklung  hat     von 8.00 Uhr bis 8.00 Uhr am Folgetag,
           Auswirkungen  auf  den  ärztlichen  Bereitschaftsdienst:  Die  • an Brückentagen (einzelner Werktag zwischen Wochenende
           Anzahl  dienstfähiger Ärztinnen  und Ärzte ist  durch  Über­  und Feiertag bzw. umgekehrt) von 8.00 Uhr bis 8.00 Uhr
           alterung (25% sind über 65 Jahre) in den letzten Jahren um   am Folgetag,
           etwa  ein  Drittel  gesunken.  Viele  Praxen  können  nicht  mehr  • an Rosenmontag von 8.00 Uhr bis 8.00 Uhr am Folgetag
           nachbesetzt  werden.  Zusätzlich  haben  Tätigkeitsformen  in  • Die Öffnung der Nebenstelle Neunkirchen erfolgt
           Teilzeit  zugenommen  und  steigen  weiterhin.  Das  hat  eben­    ausschließlich an Wochenenden und Feiertagen (ohne
           falls  Auswirkungen  auf  die  Teilnahme  am  ärztlichen  Bereit­  Heiligabend, Silvester, Rosenmontag und Brückentage)
           schaftsdienst,  da  die  Dienstverpflichtung  dem  Versorgungs­    von 9.00 Uhr bis 15.00 Uhr.
           auftrag entspricht. Diese Dienstverpflichtung ist gleichzeitig
           ein  „Niederlassungs­Hemmschuh“.  Ebenso  mangelt  es  an  Ergebnisse:
           MFA  zur  Besetzung  der  Dienste.  Die  Vertreterversammlung
           der  KV  Saarland  hat  daher  eine  grundlegende  Reform  des   Vergleicht  man  die  Quartale  des  Jahres  2024  mit  den
           ärztlichen  Bereitschaftsdienstes  zum  01.01.2025  beschlos­  Quartalen nach der BDP­Reform, so ist eine Fallzahlreduktion
           sen, um diesen für die Zukunft neu aufzustellen. Ziel der vor­  in  den  BDP­en  von  18  –  41  %  in  allen  vier  Quartalen  2025
           liegenden  Arbeit  war  es,  anhand  von  Analysen  bei  der  KVS   nachweisbar.  Im  Hintergrunddienst  reduzierte  sich  die  Fall­
           abgerechneter Notfälle zu den Bereitschaftsdienstzeiten die   zahl  um  17  –  35  %  in  allen  vier  Quartalen.  In  den  Notfall­
           Folgen  der  BDP­reform  hinsichtlich  der  Fallzahlentwicklung   ambulanzen der Kliniken stiegen die Fallzahlen während die­
           von Notfällen im Saarland zu analysieren.            ses Zeitraumes um 1 – 9% (Abb. 1, S. 25). Über das ganze Jahr
                                                                2025 betrachtet, stieg die Fallzahl der Notfallambulanzen der
           Material und Methodik:                               Kliniken um etwa 5 % (Abb. 1).
           Ab 1. Januar 2025 wurden die ursprünglich zwölf BDP­Praxen  Diskussion:
           des  Saarlandes  auf  sechs  Bereitschaftsdienstpraxen  redu­
           ziert. Diese befinden sich in Saarbrücken am Klinikum Saar­  Im  Zuge  der  aktuell  diskutierten  Notfallreform  stehen,  auf­
           brücken, in Homburg am Universitätsklinikum, in St. Wendel   grund  der  hohen  Belastung  der  Notfallversorgung,  ambu­
           am  Marienhausklinikum,  in  Lebach  am  Caritas  Klinikum,  in   lante  Notfallbehandlungen  im  Fokus  der  gesundheitspoliti­
           Saarlouis am Marienhausklinikum sowie in Merzig an den   schen  Debatte.  In  einer  bundesweiten  Analyse  des  Zentral­
           SHG  Kliniken.  Zusätzlich  wird  in  Neunkirchen  am  Diakonie­  institutes für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland
           Klinikum im Rahmen einer Sonderreglung eine Bereitschafts­  (ZI) zwischen 2015 und 2024 sank die Anzahl der ambulanten
           dienstpraxis zu eingeschränkten Öffnungszeiten (sechs Stun­  Notfälle von 19,9 auf 18,9 Millionen (­5,0 %) (Abb. 3, S. 26).
           den ohne Fahrbereitschaft) als Zweigstelle der Bereit schafts­  Notfallkontakte  fanden  häufiger  in  Notaufnahmen  als  im
           dienstpraxis in Saarbrücken betrieben. Geschlossen wurden   Ärztlichen  Bereitschaftsdienst  (ÄBD)  statt.  Im  ÄBD  sank  die
           die Standorte Saarbrücken Caritas Klinikum, Püttlingen, Sulz­  Fallzahl von 9,3 auf 7,9 Millionen (­15,5 %). In Notaufnahmen
           bach, St. Ingbert und Losheim. Zusätzlich gibt es zwei Bereit­  stiegen  sie  dagegen  von  10,6  auf  11,0  Millionen  an  (+3,8  %).
   24      schaftsdienstpraxen für Kinder­ und Jugendliche: am Marien­  Bei dieser Erhebung bleibt allerdings unberücksichtigt, dass
           hausklinikum  Kohlhof  in  Neunkirchen  und  am  Winterberg   während  der  Sprechstundenzeiten  der  Praxen  zahlreiche

           Saarländisches Ärzteblatt     Ausgabe 5/2026
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