Page 47 - Saarländisches Ärzteblatt, Juni 2026
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PER SONALIA                                PER




      mit den Schwerpunkten Sportmedizin und Unfallorthopädie   eine  umfassende  und  qualifizierte  Weitertherapie  nach  der   SON A LI A
      berufen. Die zunächst kleine Abteilung mit 20 Betten wurde   Ope ra tion zu gewährleisten. Er förderte mit der Durchführung
      schnell zum Anlaufpunkt und Therapiezentrum für verletzte   von  Operationskursen  an  Leichenpräparaten  die  Weiterbil­
     Amateur­  und  Leistungssportler  aus  ganz  Deutschland  und   dung  von  anderen  Kolleginnen  und  Kollegen.  Unvergessen
      er zielte überregionale Bedeutung. Heinrich Heß legte großen   sind die Arthro skopiekurse in Istanbul, die in Zusammenarbeit
      Wert auf ein umfassendes patientenzentriertes Therapie spek­  mit  der  Deutsch­ Türkischen  Orthopädischen  Gesellschaft
      trum, das alle orthopädischen Bereiche beinhaltet. So waren die   veranstaltet wurden.
      in Homburg gesammelten Erfahrungen mit der von Pro fessor  Heinrich  Heß  war  nicht  nur  Orthopäde  und  Sportmediziner,
      Mittelmeier  etablierten  zementfreien  Hüft pro thetik  der  Aus­  auch die Traumatologie hatte für ihn einen außerordentlichen
      gangs punkt für eine innovative Prothetik der großen Gelenke.  Stellenwert. Er war D­Arzt und pflegte eine enge Zusammen­
      Heinrich Heß engagierte sich in der Entwicklung und Verbes­  ar beit mit den Berufsgenossenschaften und dem Chefarzt der
      serung neuer Operationsverfahren und war aufgeschlossen   BG­Unfallklinik  im  Ludwigshafen  Dr.  Werner  Arens.  Mit  ihm
      für  neue  medizinische  Anwendungen.  So  wurden  in  seiner  etablierte  er  die  Neutral­0­Methode  der  Ge lenk messung  in

     Abteilung  als  erstem  saarländischen  Krankenhaus  bereits   der Orthopädie/Unfallchirurgie und der Begutachtung. Er för‑
     1981 arthroskopische Operationen an Kniegelenken durchge‑  derte die Zusammenarbeit der beiden Gebiete, die sich zu dieser
      führt,  damals  noch  ohne  die  erst  später  erfundenen  Video­ Zeit nicht immer freundschaftlich gesinnt waren. Damit war er
      technik.  Mit  Einführung  derselben  wurden  diese  minimal   auch ein Wegbereiter der Zusammenführung dieser chirurgi‑
      invasiven Operationen auch an Schulter­, Hüft­, Ellenbogen­,  schen Spezialitäten zu dem gemeinsamen Facharzt für Ortho­
      Hand­  und  Sprunggelenken  möglich.  Seine  besondere   pädie und Unfall chi rurgie. Die Weiterent wicklung seiner Ortho­
      Spezialität  war  die  Durchführung  und  Fortentwicklung  der  pädischen Kli nik zur heutigen Klinik für Orthopädie, Unfall chi­
      kreuzbandplastischen  Operationsverfahren.  Bereits  in  den   rurgie und Wir belsäulenchirurgie in Saarlouis bleibt beispielhaft.
      90iger Jahren standen jährlich über 300 Kreuzbandplastiken   In seiner Klinik lebte Heinrich Heß stets einen kooperativen
      auf dem OP­Programm.                                 Führungsstil.  Dieser  war  gekennzeichnet  von  großer  Wert­
     Aufgrund  seiner  neurochirurgischen  Weiterbildung  bei  Pro­  schätzung für alle, ob Ärzte, Krankenschwestern­ und pfleger
      fessor Löw hatte er eine besonderes Faible für die Wirbelsäu­  oder  Ambulanzmitarbeiterinnen.  Er  konnte  delegieren  und
      lenchirurgie  und  erkannte  schon  frühzeitig  deren  zukünf ­  förderte die Eigenverantwortlichkeit. Er wurde nie laut oder
      tige Bedeutung. Mit der Hilfe und operativen Unterstützung   geringschätzend.  Zur  Förderung  des  Teamgeistes  und  der
      seines  Freundes  aus  Homburger  Zeiten,  Professor  Jürgen   Mitarbeiteridentifikation  organisierte  er  Abteilungsfeste,
      Harms,  etablierte  er  in  Saarlouis  eine  eigene  Abteilung  für  Werks besichtigungen,  gemeinsames  Skifahren  und  Weih­
      Wirbelsäulenchirurgie,  die  als  einzige  im  saarländischen   nachts feiern, bei denen er selbst Klavier spielte.
      Kran kenhausplan verankert wurde.                    Er  zeigte  eine  große  Empathie  für  die  ihm  anvertrauten

     Auch  die  Kinderorthopädie  mit  Behandlung  der  Hüft­  und   Patienten.  Ihr  gesundheitliches  Wohl  und  die  Heilung  ihrer

      Fußfehlbildungen bei Säuglingen war ihm immer ein Anliegen.  Erkrankungen  und  Verletzungen  war  der  Maßstab  seines
      Schon  1986  wurde  das  Ultraschallscreening  der  Neugebo re­  ärztlichen Handelns. Dieses Credo gab er an seine ärztlichen
      nenhüfte eingeführt. Professor Heß sorgte persönlich dafür,  Schüler und alle Mitarbeiter weiter.
      dass alle seine Assistenzärztinnen­ und ärzte beim Erfinder  Professor  Dr.  Heinrich  Heß  war  seit  1959  mit  der  Ärztin  Dr.
      der Sonographie der Säuglingshüfte, Professor Graf in Öster­  Eva­Maria Heß verheiratet, mit der er drei Kinder hat. Seine
      reich, einen Ausbildungsplatz erhielten.             Tochter Barbara und Jana, die Ehefrau seines Sohns Thomas,
      Überhaupt lag ihm die Weiterbildung seiner nachgeordneten   sind Physiotherapeutinnen, sein Sohn Martin ist in Dudweiler
     Ärzte am Herzen. Er kümmerte sich persönlich um eine quali‑  niedergelassener Orthopäde.
      tativ hochwertige operative Ausbildung und assistierte auch   Er  wurde  mit  dem  Bundesverdienstkreuz  erster  Klasse,  der
     Anfängern kleine Operationen wie Metallentfernungen oder  Ernst von Bergeman Plakette, der Goldenen Ehrennadel des
      einfache Eingriffe am Fuß. Er hatte außergewöhnliche didak‑  DFB  und  der  silbernen  Ehrennadel  des  Saarländischen  Fuß­
      tische Fähigkeiten und blieb auch in schwierigen operativen   ball bundes ausgezeichnet. Er ist Ehrenmitglied der Deut schen
      Situationen ruhig und besonnen, geleitet von einer brillanten   Gesell schaft für Orthopädie und Unfallchirurgie, der argenti‑
      Operationstechnik.  Aus  der  anfänglich  überschaubaren  Ab ­  nischen Gesellschaft für Sportmedizin, der Inter natio nal Socie ty
      teilung  entwickelte  sich  bis  zu  seinem  altersbedingten  Aus­  for Prothetics and Orthetics sowie Ehrenpräsident der Gesell­
      scheiden eine große Klinik mit 88 Erwachsenen­ und 10 Kin­  schaft für Orthopädisch­Traumatologische Sport medizin.
      derorthopädischen Betten.                            Wir  danken  einem  herausragenden  Orthopäden  und  weg‑
      Professor Heß bildete über 40 Orthopädische Fachärztinnen   weisenden Sportmediziner.  Abschied nehmen wir von einem
      und Fachärzte aus. Zeitweise kam die Hälfte der niedergelas‑  empathischen Arzt und charismatischen Menschen und wer‑
      senen  Orthopäden  im  Saarland  aus  Saarlouis.  Die  Zusam­  den sein Andenken in Ehren halten.
      menarbeit und die Kontaktpflege mit den niedergelassenen
     Ärzten war ihm immer ein hohes Gut. Er etablierte regelmä‑  Dr. med. Michael Kunz
      ßige  Fortbildungsveranstaltungen  und  Symposien  für  Ärzte   Ehem. Ltd. Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie   47
      und  Physiotherapeuten,  um  den  gemeinsamen  Patienten   und Wirbelsäulenchirurgie der St. Elisabeth Klinik Saarlouis

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